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Band 31

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Hoffmann, Stephan
Etienne de La Boétie – Discours de la Servitude volontaire
Abhandlung über die freiwillige Knechtschaft

2005. 97 Seiten – 155 x 225 mm. Kartoniert
ISBN 978-3-89913-419-3

 

12,00 EUR

Produkt-ID: 978-3-89913-419-3  

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"Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten." Dieses berühmte Wort von Rousseau im Contrat social könnte treffend auch dem bereits zweihundert Jahre früher geschriebenen Essay Discours de la Servitude volontaire als Motto vorangestellt sein. Für den französischen Renaissancehumanisten Etienne de La Boétie (1530-63) wird es zum Ausgangspunkt einer leidenschaftlichen, zum Teil bitter vorgetragenen Anklage und Kritik tyrannischer Herrschaft, deren Ursprung nicht im physischen Gewaltmonopol des Fürsten, sondern in der Freiwilligkeit ihrer Duldung, in der knechtischen Gesinnung des Menschen erkannt wird, die ihn sich freiwillig einem einzelnen Machthaber unterwerfen läßt, anstatt für seine natürlichen Rechte einzutreten.
Zukunftsweisenden Charakter gewinnt La Boéties Traktat durch die Kühnheit seiner Forderungen nach Freiheit, Gleichheit und Solidarität, die - gestützt auf die Grundsätze des Naturrechts - schon eine Präfiguration der Parolen der Französischen Revolution geben. Allerdings umgeht La Boétie in seinem Aufruf, sich durch einfache Verweigerung der Knechtschaft zu entziehen, die generelle Frage nach (gerechter) Herrschaft, meidet das Problem institutioneller Ordnung, wodurch er auf Sozialisten, vor allem aber auf Anarchisten eine ungeheure Wirkungsmacht ausüben konnte. Die bereits in den französischen Religionskriegen unter dem schlagkräftigen und polemischen Titel Contr'un (Wider den Einen, den Gewaltherrscher) von den Hugenotten adaptierte Rede von der freiwilligen Knechtschaft wird so zu einer Art geistigen Urquelle für liberale Denker und Aktivisten, die in immer neuen Editionen und Übersetzungen auf die kleine Schrift zurückgreifen.
Anders als in seinem Heimatland ist La Boétie im deutschsprachigen Raum nahezu unbekannt. Wenn überhaupt, so wird er über Montaigne rezipiert, dessen Essais der Discours meist als Anhang beigegeben war. Die von Stephan Hoffmann unternommene Studie versteht sich als Beitrag, die Lücke in der hiesigen Wahrnehmung des Perigordiners ein wenig zu schließen. Im Zentrum der Untersuchung steht sein Hauptwerk: der Discours de la Servitude volontaire. Auch eine zweite politische Schrift, das lange verloren geglaubte Memoire touchant l'Edit de Janvier 1562, welches sich vor dem Hintergrund der konfessionellen Spaltung der Religionsproblematik zuwendet und gedanklich eher konservativ ausgerichtet ist, findet Berücksichtigung. Einführend werden in einem ersten Kapitel die biographischen Bezugspunkte des in Orléans ausgebildeten Juristen und in Bordeaux als Parlamentsrat wirkenden Politikers entfaltet, unter Einbezug der engen Freundschaft zwischen ihm und Michel de Montaigne. Auch das bislang wenig beachtete poetische Œuvre sowie die Übersetzungen sind kurz bezeichnet. Schwerpunkt des zweiten Teils bildet die Zeitgeschichte, welche die Skizzierung der kulturellen und geistigen Bewegung der Renaissance ebenso beinhaltet wie die unter dem besonderen Vorzeichen des Calvinismus in Frankreich sich ausbreitende Reformation. Dabei fällt der Blick auch auf die zunehmend gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Konfessionen, die noch zu Lebzeiten La Boéties bereits bürgerkriegsähnliche Ausmaße annehmen. In einem weiteren Abschnitt erfolgt der Versuch einer politiktheoretischen Einordnung der Freiwilligen Knechtschaft. Er stellt die Frage nach ihren literarischen Quellen, verweist auf wichtige zeitgenössische politische Strömungen und zeigt rückwärts- wie auch vorwärtsgewandte geistesgeschichtliche Traditionslinien auf. Abschließend richtet sich der Fokus auf die Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte, wobei der Schwerpunkt der Wahrnehmung und Beachtung des Discours de la Servitude volontaire in Deutschland gilt, der während der nationalsozialistischen Diktatur als vermutlich einziges Werk aus dem 16. Jahrhundert zu den verbotenen Schriften gehörte und von den USA aus über Kurzwelle nach Europa gesendet wurde.